Seile und Zubehör
Seile und passendes Zubehör müssen zur Anwendung, Tragfähigkeit und Einsatzumgebung passen. Diese Rubrik bündelt technische Informationen und Anwendungshinweise rund um Anschlagseile, Drahtseile, Seilendverbindungen und Zubehör.
Die Inhalte dieser Seite geben Orientierung zu Tragfähigkeiten, Kennzeichnung, Handhabung, Ablegekriterien, Seilaufbau, Verschleiß und sicherer Anwendung in der Praxis.
FACHWISSEN
Seile und Zubehör
Tragfähigkeiten für Anschlagseile mit Fasereinlage
für die Seilklassen 6 x 19 und 6 x 36 mit verpressten Seil-Endverbindungen

Tragkrafttabelle basierend auf EN 13414-1
in Abstimmung mit dem Fachverband Seile und Anschlagmittel (FSA)

Kennzeichnung von Anschlagseilen
Für den Einsatz im Hebebereich dürfen nur normgerechte Anschlagseile eingesetzt werden. Sie müssen nach der entsprechenden CE gekennzeichnet sein.
Die Übereinstimmung von Anschlagseilen mit dieser Norm ist vom Hersteller eigenverantwortlich mit dem Verbandszeichen DIN zu kennzeichnen. Jedoch nur, wenn das Herkunftszeichen des Herstellers bei der DGWK hinterlegt ist.
Beispiele für ordnungsgemäß gekennzeichnete Anschlagseile:




Handhabung und Einsatz von Anschlagseilen
Anschlagseile aus Draht können grundsätzlich im Temperaturbereich von -40 °C bis +100 °C eingesetzt werden. Wenn die entsprechenden Einschränkungen beachtet werden, gibt es folgende Möglichkeiten:

Sicherheitstechnische Hinweise / Ablegekriterien für Anschlagseile
- Es dürfen niemals beschädigte Anschlagmittel verwendet werden (DGUV 109-017)!
- Niemals Seile mit Knoten- oder Klankenbildung einsetzen!
- Niemals über 60° Neigungswinkel β anschlagen!
- Schlaufen müssen passend für den Kranhaken sein!
- Drahtseile bei scharfen Kanten niemals ohne Kantenschutz anwenden!
- Einsatztemperatur beachten!
- DGUV 109-017 beachten!
- Niemals mehrsträngige Seilgehänge einsetzen, in denen mehr als zwei Stränge im A- oder B-Glied eingearbeitet sind!
| Seilart | Anzahl sichtbarer Drahtbrüche, unterschiedlich verteilt auf einer Länge von | |
|---|---|---|
| 6 x d | 30 x d | |
| Litzenseil | 6 | 14 |
| Kabelschlagseil | 35 | — |
| Grummet | 5 % der Gesamtdrahtzahl | |
Außerdem darf ein Anschlagseil beim Auftreten folgender Schäden nicht mehr verwendet werden:
- Bruch einer Litze
- Lockerung der äußeren Lage in der freien Länge
- Quetschungen in der freien Länge
- Quetschungen im Auflagebereich der Öse mit mehr als vier Drahtbrüchen bei Litzenseilen, bzw. zehn bei Kabelschlagseilen
- Knicke und Kinken (Klanken)
- Korrosionsnarben
- Beschädigung oder starker Verschleiß der Seilverbindung oder Seilendverbindung
- Bewegliche Umhüllungen an Lastaufnahmemitteln müssen so beschaffen sein, dass Teile, die einer Prüfung bedürfen, freigelegt werden können



Für einen einmaligen Verwendungszweck oder Einsatz dürfen nur Drahtseilklemmen nach EN 13411-5 (DIN 1142) verwendet werden.
Kleine Seilkrümmungsradien erfordern
Tragfähigkeitsreduzierungen!

In der Abbildung sind Beispiele mit den verbleibenden Tragfähigkeiten (in %) dargestellt.


Schlagrichtung – rechts- oder linksgängige Seile


Kreuzschlag
Die Schlagrichtung der Drähte in den Litzen ist entgegengesetzt der Schlagrichtung der Litzen im Seil.

Gleichschlag
Die Schlagrichtung der Drähte in den Litzen ist gleich der Schlagrichtung der Litzen im Seil.

Kurzzeichen aus der Drahtseilnorm DIN EN 12385-2
Einlagearten:
- C
- =
- Einlage
- FC
- =
- Fasereinlage
- NFC
- =
- Naturfasereinlage
- SFC
- =
- Kunstfasereinlage
- WC
- =
- Stahleinlage
- IWRC
- =
- Stahlseileinlage
- WSC
- =
- Drahtlitzeneinlage
Schlagarten und -richtung:
- z
- =
- rechtsgängig
- s
- =
- linksgängig
- sZ
- =
- Kreuzschlag, rechtsgängig
- zS
- =
- Kreuzschlag, linksgängig
- zZ
- =
- Gleichschlag, rechtsgängig
- sS
- =
- Gleichschlag, linksgängig
- aZ
- =
- Wechselschlag, rechtsgängig
- aS
- =
- Wechselschlag, linksgängig
Litzenarten:
- S
- =
- Seale
- W
- =
- Warrington
- F
- =
- Filler
- WS
- =
- Warrington-Seale
- M
- =
- Kreuzverseilung
- N
- =
- Verbundverseilung
Überwachungsarbeiten
Die Betriebssicherheit in Betrieb befindlicher Drahtseile kann nach folgenden Kriterien beurteilt werden:
- Art und Anzahl der Drahtbrüche
- Lage der Drahtbrüche
- Zeitliche Folge des Auftretens von Drahtbrüchen
- Verringerung des Seildurchmessers während der Betriebszeit
- Korrosion
- Abrieb
- Seilverformungen
- Hitzeeinwirkung
- Aufliegezeit
Ablegereife von Drahtseilen aufgrund von Drahtbrüchen
| Anzahl der tragenden Drähte in den Außenlitzen des Drahtseiles3) n | Anzahl sichtbarer Drahtbrüche bei Ablegereife | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Triebwerkgruppen | Triebwerkgruppen | |||||||
| 1Em, 1Dm, 1Cm, 1Bm, 1Am | 2m, 3m, 4m, 5m | |||||||
| Kreuzschlag | Gleichschlag | Kreuzschlag | Gleichschlag | |||||
| auf einer Länge von 6d | auf einer Länge von 30d | auf einer Länge von 6d | auf einer Länge von 30d | auf einer Länge von 6d | auf einer Länge von 30d | auf einer Länge von 6d | auf einer Länge von 30d | |
| bis 50 | 2 | 4 | 1 | 2 | 4 | 8 | 2 | 4 |
| 51 bis 75 | 3 | 6 | 2 | 3 | 6 | 12 | 3 | 6 |
| 76 bis 100 | 4 | 8 | 2 | 4 | 8 | 16 | 4 | 8 |
| 101 bis 120 | 5 | 10 | 2 | 5 | 10 | 19 | 5 | 10 |
| 121 bis 140 | 6 | 11 | 3 | 6 | 11 | 22 | 6 | 11 |
| 141 bis 160 | 6 | 13 | 3 | 6 | 13 | 26 | 6 | 13 |
| 161 bis 180 | 7 | 14 | 4 | 7 | 14 | 29 | 7 | 14 |
| 181 bis 200 | 8 | 16 | 4 | 8 | 16 | 32 | 8 | 16 |
| 201 bis 220 | 9 | 18 | 4 | 9 | 18 | 35 | 9 | 18 |
| 221 bis 240 | 10 | 19 | 5 | 10 | 19 | 38 | 10 | 19 |
| 241 bis 260 | 10 | 21 | 5 | 10 | 21 | 42 | 10 | 21 |
| 261 bis 280 | 11 | 22 | 6 | 11 | 22 | 45 | 11 | 22 |
| 281 bis 300 | 12 | 24 | 6 | 12 | 24 | 48 | 12 | 24 |
| über 3004) | 0,04 n | 0,08 n | 0,02 n | 0,04 n | 0,08 n | 0,16 n | 0,04 n | 0,08 n |
Seitliche Ablenkung
Die seitliche Ablenkung des Drahtseils aus der Rillenebene vermindert die Aufliegezeit des Drahtseils und ist daher möglichst klein zu halten. Es wird empfohlen, bei mehrfach eingescherten Drahtseilen die schnelllaufenden Stränge mit möglichst kleiner und die langsam laufenden mit größerer seitlicher Ablenkung auszuführen. Keines falls darf die seitliche Ablenkung größer sein als 1:15 (4°); jedoch kann sich bereits eine seitliche Ablenkung von nur 1° im Hauptarbeitsbereich schon nachteilig auf die Aufliegezeit des Drahtseils auswirken. Bei drehungsfreien bzw. drehungsarmen Drahtseilen wird empfohlen, die seitliche Ablenkung nicht größer als 1:40 (1,5°) auszuführen.
Die seitliche Ablenkung des Drahtseils muss bei der konstruktiven Gestaltung der Form von Seilrillen berücksichtigt werden.
Schmierung des Drahtseils
Schmierstoffe im Drahtseil vermindern die Reibung sowohl zwischen Rille und Drahtseil als auch zwischen den Drähten im Drahtseil; außerdem wird die Korrosion gemildert. Wenn aus betrieblichen Gründen das Schmieren des Drahtseils unterbleiben muss, ist die dadurch bedingte kürzere Aufliegezeit in Kauf zu nehmen. Die Anwendung nicht geschmierter Drahtseile ist besonders zu vereinbaren.
Seilschmierstoff
Als Schmierstoff werden Öle, Vaselinen, bitumenartige Stoffe u. a. verwendet. Der Schmierstoff muss hinsichtlich Art und Menge dem Verwendungszweck des Seils entsprechen.

Einsatz eines Wirbels
Nicht drehungsfreie Seile und auch drehungsarme Macharten wie Seile nach DIN 3069 (18 x 7) dürfen auf keinen Fall mit einem Wirbel (Drallfänger) arbeiten. Das permanente Auf- und Zudrehen der Seile bei Be- und Entlastung würde zu einer Torsionsermüdung der Drähte führen.
Die Bruchkraft dieser Drahtseile würde außerdem enorm herabgesetzt, sodass die Sicherheit des Seiltriebes nicht mehr angegeben wäre. Durch Aufdrehen am Wirbel entlastet ein Drahtseil seine Außenlitzen und überlastet seine Stahllitze. Dieser Umstand führt zu innerer Seilzerstörung und eventuell zu einem Versagen der Drahtseile ohne vorherige Warnung durch äußere Drahtbrüche.
Drehungsfreie Drahtseile können ohne diese Gefahren mit einem Wirbel eingesetzt werden, der Wirbel bringt hier sogar große Vorteile. Er erlaubt dem Seil, einen durch fehlerhafte Montage oder durch gewaltsame Seilverdrehung in den Seiltrieb eingebrachten Drall auszudrehen und wieder seinen unverdrehten Gleichgewichtszustand einzunehmen. In vielen Fällen wird bei drehungsfreien Seilen eine Korbbildung durch den Einsatz eines Wirbels verhindert.
Quelle: Laufende Drahtseile, von Prof. Dr.-Ing. Klaus Feyrer, expertverlag / Renningen, 2. Auflage
Gründe für erhöhten Seilverschleiß
Gründe:
- Falsches Auflegen
- Bildung von Schlappseil im entlasteten Zustand
- Eingelaufene Rollen und Rillen
- Festsitzende Rollen
- Ungünstige Seilablenkung
- Zu kleine Trommel- und Rollen-Durchmesser
- Ausspringen aus der Rolle
- Zu viele Lagen auf einer Winde
Auswirkung:
- Klankenbildung
- Klankenbildung
- Drahtbrüche durch Abrieb
- Abrieb
- Abrieb
- Ermüdungsbrüche
- Quetschung und Schliff
- Quetschung und Abrieb
Bestellhinweise
Um für Sie die wirtschaftlichste und rationellste Seilkonstruktion auszuwählen, benötigen wir von Ihnen ausführliche Angaben über den geplanten Einsatzbereich. Unsere geschulten Mitarbeiter beraten Sie gerne, welches DIN-Drahtseil oder Spezialdrahtseil für welchen Verwendungszweck am besten geeignet ist.
Bitte geben Sie bei Ihrer Bestellung die Einsatzbereiche an:
- Turmdrehkran
- Schrägaufzug
- Elektrozug
- Forst-Schlepper- und Anbauwinden
- Bohrgeräte
- Schwimmbagger
- Schrapper
- Hallen- und Portalkran
- Forst-Kippmastgerät und Materialseilbahn
- Schlitzwandgreifer
- Skischlepplift
- Mobil- und Autokran
- Personenaufzug
- Bagger
- Schifffahrt
- Ramme
Seilendverbindungen EN 13411-1 bis EN 13411-6
Viele Endverbindungen vermindern die Bruchkraft des Seils.
Für eine zuverlässige Bestimmung des Seildurchmessers sind die verbleibenden Werte der Mindestbruchkraft in Prozenten angegeben.
* Unter Umständen kann bei gespleissten Endverbindungen die Bruchkraftminderung bis zu 40 % betragen.
Dies ist abhängig von der Seilkonstruktion und dem Seildurchmesser.






