Ladungssicherung
Ladungssicherung ist ein zentraler Bestandteil für den sicheren Transport von Gütern und dient vor allem dem Schutz von Menschen, Fahrzeugen und Ladung. Diese Rubrik bündelt technische Informationen und Anwendungshinweise zu Zurrmitteln, Kräften während der Fahrt und den wichtigsten Grundlagen für eine fachgerechte Sicherung.
Im Mittelpunkt stehen Zurrmittel, Reibung, Zurrwinkel sowie Sicherungsverfahren wie Niederzurren, Diagonalzurren und Schrägzurren.
FACHWISSEN
Ladungssicherung
1. Produkte zur Ladungssicherung
Wir bieten ein breit gefächertes Lieferprogramm: Zurrgurte, Zurrketten, Zurrseile und Zurrnetze mit sämtlichem Zubehör, damit Ihre Ladung das Ziel sicher erreicht.
1.1 Zurrgurte
Flexible Zurrgurte aus Polyestergewebe nach VDI 2700 Blatt 1-9 ff und DIN EN 12195-2 sind wegen ihrer einfachen Handhabung sehr beliebt. Zurrgurte aus Polyester machen Transport und Materialfluss kostengünstig und empfehlen sich für die Ladungssicherung, weil sie hohen Zugkräften standhalten, leicht und oberflächenschonend sind und eine lange Haltbarkeit besitzen. Mit Zurrgurten können Ladungen umreift, in sich zusammengehalten und wirksame Verbindungen zwischen Transportgut und LKW geschaffen werden. Für den Umgang mit Zurrgurten wie auch für Ketten und Drahtseile sind folgende Sicherheits-Vorschriften zu beachten: DGUV Regel 109-017, Punkt 2.8 (früher VBG 9a) „Lastaufnahmeeinrichtungen im Hebezeugbetrieb“, VDI 2700 Blatt ff „Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen“ und DIN EN 12195 „Ladungssicherungseinrichtungen auf Straßenfahrzeugen - Sicherheit“.
1.2 Zurrketten
Zurrketten nach VDI 2700 Blatt 1-9 ff und DIN EN 12195-3 eignen sich hervorragend zum Diagonalzurren von schweren Ladungen und sind neben Zurrgurten eine weitere Möglichkeit, den sicheren Transport zu gewährleisten. Hierfür werden kurzgliedrige Ketten verwendet (Teilung = 3 x Ketten-Ø). Nur diese gewährleisten eine hervorragende Kantenbeanspruchung. Werden die Zurrketten beim Niederzurren über die Ladung gelegt, müssen auf jeden Fall Kantenschutzelemente verwendet werden, damit die Last durch die Ketten nicht beschädigt wird und die Kettenglieder über die Kanten gleiten können. Wenn die Kante so beschaffen ist, dass die Kette nicht darüber gleiten kann, ist eine direkte Verzurrung vorzuziehen. Mit Spindel- und Ratschenlastenspannern sind hochfeste Ketten der Güteklasse 8, 10 oder 12 hervorragend zu bedienen.

2. Welche Kräfte wirken während der Fahrt
auf die Ladung ein?
2.1 Die Gewichtskraft
- In Längsrichtung nach vorn (aus Bremsvorgängen) wirkt das 0,8-fache der Gewichtskraft der Ladung, z. B. bei einer 10 t-Ladung immerhin 8 t.
- In Querrichtung (bei Kurvenfahrten) wirkt das 0,5-fache der Gewichtskraft der Ladung. Für kippgefährdete Ladegüter gilt das 0,7-fache der Gewichtskraft.
- In Längsrichtung nach hinten (beim Anfahren) wirkt ebenso das 0,5-fache der Gewichtskraft der Ladung, z. B. bei einer Ladung von 10 t.
- In vertikaler Richtung treten durch Schwingungen und Stöße, z. B. durch Schlaglöcher, Beschleunigungen an der Ladung auf, die der Gewichtskraft, also 1G, entsprechen.

2.2 Die Reibkraft, Reibbeiwert μ
Der Faktor Reibung spielt bei der Ladungssicherung eine wichtige Rolle. Reibkräfte wirken zwischen Ladegut und Ladefläche, sowie zwischen den Ladegütern. Sie werden physikalisch durch den Reibbeiwert μ ausgedrückt. Wie muss dieser Wert, der in der unten stehenden Tabelle für verschiedene Materialpaarungen aufgeführt ist, bei der Ladungssicherung berücksichtigt werden?
| Kombination | μ |
|---|---|
| geölte Stahlbleche - geölte Stahlbleche | 0,1 |
| Kunstharzgeb. Sperrholz weich - Plastikpalette (PP) | 0,2 |
| Kunstharzgeb. Sperrholz weich - Boxpalette (Stahl) | 0,2 |
| Kunstharzgeb. Sperrholz weich - Europalette (Holz) | 0,25 |
| Schrumpffolien auf Stahlblech | 0,3 |
| Kombination | μ |
|---|---|
| Flachstäbe aus Stahl auf Schnittholz | 0,35 |
| Schnittholz auf Schichtholz | 0,35 |
| Pappschachtel auf Holzpalette | 0,35 |
| Betonfertigteil auf Holzverschleißschicht aus Holz (B/H/H) | 0,4 |
Angaben ohne Gewähr
Beispiel: Ein Reibbeiwert von μ = 0,3 bedeutet, dass eine Kraft von 300 daN (entspricht 300 kg) nötig ist, um eine Ladung von 1.000 kg auf der Ladefläche zu verschieben. Bei einer Bremsverzögerung von 1 G müssen also noch 700 daN, die nicht durch Reibung gesichert sind, durch Zurrmittel gesichert werden. Der Anwender sollte im Zweifelsfalle den Reibbeiwert geringer veranschlagen und so mit dem stärkeren Zurrmittel die notwendige Sicherheit gewährleisten.
Welchen Einfluss hat die Reibung?
Die nebenstehende Grafik macht am Beispiel Niederzurren deutlich, wie groß der Einfluss der Reibung z. B. auf die Anzahl der erforderlichen Zurrmittel ist.
Tipp: Je geringer die Reibung, desto mehr Zurrgurte sind erforderlich! Wir empfehlen die Verwendung von Anti-Rutsch-Matten zur Erhöhung des Gleitreibbeiwerts.
Beim Diagonalzurren wirkt sich die Reibung entsprechend auf die jeweilige LC (Lashing Capacity = zulässige Zugkraft) aus.
Es gilt: Je höher die Reibung, desto geringer ist die erforderliche LC.
3. Methoden der Ladungssicherung
Die gängigsten Varianten der Ladungssicherung sind:
- Niederzurren
- Diagonalzurren
- Schrägzurren
- Formschluss durch z. B. Keile, Festlegehölzer oft in Verbindung mit Nägeln
- Formschluss durch z. B. Anlegen der Ladung gegen Stirn- und Seitenwände oder Rungen des LKWs
- Festsetzen der Ladung mit Hilfe von Klemmbalken, Trennwänden, Ladegestellen und Coilmulden
- Kombination der Verfahren
3.1 Das Niederzurrverfahren
Beim kraftschlüssigen Verfahren Niederzurren wird die zu sichernde Ladung mit Zurrmitteln überspannt, auf die Ladefläche gedrückt und somit nach allen Seiten gesichert.

3.1.1 Die Vorspannkraft STF
Für die Ladungssicherung werden unterschiedliche Ratschen-Typen eingesetzt. Neben ergonomischen und funktionellen Unterschieden ist die erreichbare Vorspannung das Hauptunterscheidungsmerkmal. Mit einer Standard-Ratsche lassen sich 250 - 350 daN Vorspannkraft erzielen. Mit den Langhebelzugratschen erreichen Sie 400 bis 1.000 daN Vorspannung.
Die Größe der eingebrachten Vorspannkraft bestimmt die Anzahl der notwendigen Niederzurrungen entscheidend mit. Somit liegt Ihr Vorteil darin, dass Sie beim Niederzurren unter Verwendung der Langhebel-Zugratschen bis zu 70 % weniger Zurrmittel benötigen. Ein unschlagbares Argument!
Bei der Ermittlung der Vorspannung helfen Ihnen unsere Vorspannkraftmessgeräte.
3.1.2 Der Zurrwinkel α
Der Zurrwinkel α liegt zwischen Ladefläche und Zurrmittel, er sollte mindestens 35° betragen. Beim Niederzurren hängt die Anzahl der Überspannungen zum großen Teil von diesem Winkel ab. Je größer der Winkel α ist, desto weniger Überspannungen benötigen Sie für Ihre Ladung. Die besten Ergebnisse erreichen Sie mit einem Winkel α = 90°. Ist der Winkel nicht bekannt, sollte vom ungünstigsten Fall (Winkel α = 35°) ausgegangen werden. Winkel unter 35° sind völlig unwirtschaftlich und sollten vermieden werden. Bei der Ermittlung der Winkel hilft Ihnen unser Winkelmesser - einfach ablesen und Sie sind im Bilde!

3.1.3 Der Reibbeiwert m (auch Gleitreibbeiwert)
Ob eine Ladung z. B. beim Bremsen verrutscht oder nicht, hängt u. a. von der Beschaffenheit der Kontaktflächen zwischen Ladegut und Ladefläche ab. In der Ladungssicherung spricht man vom Gleitreibbeiwert μ. Für eine Vielzahl von Werkstoffpaarungen gibt es durch Versuche ermittelte Gleitreibbeiwerte. Mit Anti-Rutsch-Matten kann ein Gleitreibbeiwert von μ = 0,6 erreicht werden.
3.2 Das Diagonalzurrverfahren
Mit Hilfe des formschlüssigen Verfahrens Diagonalzurren können schwerste Ladegüter sicher verzurrt werden. Je nach Beschaffenheit der Ladung kann das Diagonalzurren in unterschiedlichen Varianten ausgeführt werden. Die erforderlichen Sicherungskräfte entstehen während der Fahrt durch Ladungsversatz. Da die Zurrmittel die Kräfte, die durch Fahrzeugbewegungen (Beschleunigungs-, Verzögerungs- und Fliehkräfte) entstehen, direkt aufnehmen, wird hier die zulässige Zugkraft LC (Lashing Capacity) im direkten Zug bei der Berechnung zugrunde gelegt. Beim Diagonalzurren werden die Zurrmittel jeweils zwischen den Zurrpunkten am LKW und den Anschlagpunkten der Last befestigt. Weil die zulässige Zugkraft (LC) nicht schon durch hohe Vorspannkräfte gemindert werden soll, werden beim Diagonalzurren im Gegensatz zum Niederzurren die Gurte nur handfest mit max. 10 % der LC angespannt.

3.2.1 Die Zurrwinkel α und β:
Beim Diagonalzurren ist die erforderliche zulässige Zugkraft der Zurrmittel abhängig von der Größe der Zurrwinkel α und β. Der Zurrwinkel ist der Vertikalwinkel zwischen Ladefläche und Zurrmittel, er sollte im Bereich 20° bis 65° liegen. Der Horizontalwinkel β ist der Winkel zwischen Fahrzeug-Längsrichtung und Zurrmittel und sollte im Bereich von 6° bis 55° liegen.
Häufig lassen sich jedoch günstigere Werte für die Sicherungskräfte errechnen, wenn die zwei Winkel α und β mit einem Winkelmesser gemessen werden.
Ergebnis: Entweder geringer dimensionierte Zurrmittel oder mit gleichen Zurrmitteln höhere Ladungsgewichte sichern.
Zusätzliche Maßnahmen wie Formschluss, Verkeilen, Nageln oder Festsetzen der Ladung erhöhen im hohen Maße die Sicherheit. Ungünstige Winkelbereiche und Abmessungen der Ladung können mit Hilfe des Überkreuzverfahrens ausgeglichen werden (siehe „Variante 2“ und „Variante 3”).



3.2.2 Der Reibbeiwert μ (auch Gleitreibbeiwert)
Beim Diagonalzurren wirkt sich die Reibung auf die jeweilige Zugkraft (LC) aus.
3.3 Schrägzurren
Schrägzurren ist die formschlüssige Direktsicherung mit Zurrmitteln entweder nur in Längs- oder in Querrichtung. Verfügt ein Fahrzeug über seitliche Rungen, kann durch Schrägzurren in Längsrichtung gegen Ladungsversatz beim Bremsen bzw. Anfahren gesichert werden.

Zurrgurte
Wichtige Anwendungs- und Warnhinweise:
- Zurrgurte dürfen nur bis zu der auf dem Etikett angegebenen zulässigen Zugkraft belastet werden.
- Zurrgurte dürfen nicht als Anschlagmittel verwendet werden.
- Zurrhaken dürfen nicht auf ihrer Spitze belastet werden.
- Spann- und Verbindungselemente dürfen nicht auf Biegung beansprucht werden.
- Bei Lasten mit scharfen Kanten oder rauen Oberflächen dürfen Zurrgurte nur dann eingesetzt werden, wenn die gefährdeten Stellen des Gurtbands geschützt sind. Eine scharfe Kante liegt bereits vor, wenn der Kantenradius r gleich oder kleiner der Gurtdicke d ist.
Kantenschoner schützen das Gurtband vor scharfen Kanten.
- Auf dem Gurtband dürfen keine Lasten abgesetzt werden, wenn das Gurtband dadurch beschädigt werden könnte.
- Spannelement (Ratsche) nach dem Spannen schließen.
- Spannelement (Ratsche) regelmäßig warten, bewegliche Teile ölen oder fetten.

Reinigung der Zurrgurte:
Die Zurrgurte sind mit klarem Wasser ohne Zusätze von Chemikalien zu reinigen. Zurrgurte, die während der Verwendung oder durch ihre Reinigung nass geworden sind, sollten an der Luft trocknen. Unter keinen Umständen sind Zurrgurte anzuwärmen oder auf andere Weise forciert zu trocknen.
Aufbewahrung der Zurrgurte:
Untersuchen Sie die Zurrgurte vor der Einlagerung auf Schäden, die während des Gebrauchs aufgetreten sein können. Lagern Sie beschädigte Zurrgurte nicht ein. Zurrgurte sind, wenn sie nicht gebraucht werden, in sauberer, trockener und gut belüfteter Umgebung zu lagern. Sie sind fern von Wärmequellen und ohne Kontakt mit Chemikalien, Rauchgasen, korrodierenden Oberflächen, direkter Sonneneinstrahlung oder anderen Quellen ultravioletter Strahlung zu lagern.
Nach längerer Lagerzeit sind die Zurrgurte, insbesondere die beweglichen Teile der Spannelemente, auf Funktion zu prüfen!
Verwendung von Zurrgurten in Verbindung mit Chemikalien:
Die Werkstoffe, aus denen die Zurrgurte hergestellt sind (PES, PA, PP), unterscheiden sich sowohl physikalisch, z. B. Griff, Stabilität, Abriebverhalten, als auch durch eine unterschiedliche Widerstandsfähigkeit gegen chemische Einwirkungen.
Richtige Ladungssicherung will gelernt sein!
Die PHILIPPAKADEMIE bietet Ihnen spezielle Ladungssicherungsseminare an, in denen Sie wichtige Einblicke in den praktischen Ablauf der Ladungssicherung erhalten.
Die Seminare richten sich gleichermaßen an Unternehmer, Geschäftsleitungen, Kraftfahrer, Verlader und Fuhrparkverantwortliche. Sie erfahren in Fahrversuchen, wie sich eine ungesicherte Ladung während verschiedener Fahrmanöver verhält.
Da nicht jedes Ladegut gleich ist, unterscheiden sich auch die Sicherungsarten und Sicherungsmethoden. Denn Rohre müssen anders gesichert werden als beispielsweise Kisten oder Paletten. Sie erfahren in unseren Seminaren, wie Sie unterschiedlichste Ladegüter richtig, schnell und kostengünstig sichern.
Tauschen Sie mit unseren Referenten sowie anderen Seminarteilnehmern Erfahrungen über unterschiedliche Situationen aus.
- Verhindern Sie Transportschäden am Fahrzeug und Speditionsgut!
- Erreichen Sie maximale Sicherheit durch richtige Ladungssicherung!
- Geschulte Mitarbeiter helfen Ihnen, zeitaufwändiges Umladen und Nachsichern zu sparen und somit Kosten zu minimieren!
- Sie erlangen umfangreiche Kenntnisse rechtlicher Aspekte im Schadensfall!
Oberster Grundsatz:
Ladungssicherung ist zuallererst Personenschutz!
Ladungssicherung ist aus mehreren Gründen ein Muss:
- Der Empfänger wünscht einen einwandfreien Zustand der Ware.
- Ihr Transporteur ist für die Sicherheit der Ladung verantwortlich.
- Die Beförderung von Gefahrgut unterliegt zusätzlichen rechtlichen Aspekten.
- Kann Leben retten in Unfallsituationen.





